Montag, 25. Mai 2020

Rezension: Unsichtbare Frauen // Caroline Criado-Perez


RIESIGE DATENLÜCKEN


                                                           Meine Meinung
Beim Autofahren hast du immer wieder Probleme mit schlechtsitzenden Autogurten? Die Schlange vor öffentlichen Toiletten ist viel zu oft ewig lang?  Du übernimmst die meiste unbezahlte Arbeit im Haushalt und/oder mit den Kindern? Die modernen Smartphones sind viel zu groß für deine Hände oder (wenn überhaupt vorhandene) Hosentaschen? Ja?

Wenn du mehrmals mit Ja antwortest, dann gehörst du wahrscheinlich zu der Hälfte der Bevölkerung, bei der gerne mal vergessen wird, dass es sie gibt. Den Frauen*. Schuld an den Problemen bist aber nicht du, schuld sind nicht die Frauen* per se, sondern die Wissenschaft gemacht von Männern für Männer, die "den Mann" als Standard sieht und ihre Studienergebnisse, bei denen die Frauen* oft unterrepräsentiert sind oder auf Geschlechterdifferenzen nicht eingegangen wird, als absolute Wahrheit hinstellt. Caroline Criado-Perez zeigt, wo diese weiblichen Datenlücken gefüllt werden müssen.

Dienstag, 12. Mai 2020

Rezension: Das wirkliche Leben // Adeline Dieudonné


GRAUSAME REALITÄT


Meine Meinung
Diese Geschichte ist eine echte Wucht. Eine Warnung vorweg: Es gibt viel Gewalt - psychische wie körperliche gegen Menschen und Tiere. Erzählerin ist ein Mädchen ohne Namen, das zurück blickt auf eine Kindheit und Jugendzeit mit einem gewalttätigen Vater, einer teilnahmslosen Mutter und dem jüngeren Bruder Gilles, der durch einen schlimmen Vorfall traumatisiert wird, und die Ereignisse aus vier (oder fünf) hintereinander folgenden Sommern schildert. 

Die Entwicklung, die sie dabei durchmacht finde ich großartig. Es beginnt, als sie zehn Jahre alt ist. Sie will sich selbst nicht als Opfer sehen und handelt auch nicht so. Trotzdem zeigt sie Schwäche und das ist gleichzeitig ihre Stärke. Der Autorin gelingt es mit ihrer direkten, schonungslosen, gleichzeitig brutalen wie zarten Sprache eine Atmosphäre zu erschaffen, bei der man von einer ständigen Bedrohung ausgeht, bildlich dargestellt im Buch durch die Hyäne, deren Kopf als Jagdtrophäe im Haus hängt, die alles sieht und alles Positive verschlingt. Diese Geschichte fordert einen heraus, denn hier wird die grausame Realität, hier wird das wirkliche Leben abgebildet.

Samstag, 9. Mai 2020

Rezension: Mrs Fletcher // Tom Perrotta


AN DER GRENZE DES ERTRÄGLICHEN


Meine Meinung
Brendan geht aufs College und seine geschiedene, 46-jährige Mutter Eve (Mrs Fletcher) ist plötzlich mit ihrem verlassenen "Nest" konfrontiert. Mit ihrer neu gewonnenen Freiheit umzugehen, ist für sie anfangs nicht leicht und sie merkt, dass sie sich selbst neu (er)finden muss, um mit den Veränderungen klarzukommen. Bei beiden steht ein Neustart an.

Aus unterschiedlichen Perspektiven, zwei davon sind Brendan und Eve, wird eine nicht vorhandene Handlung auf mehr als 400 Seiten in die Länge gezogen. Der Autor Tom Perrotta wollte viel, hat aber wenig mit seiner Geschichte geschafft. Ein Klischee reiht sich an das andere, die Darstellung der Frauen ist grenzwertig bis abartig, Hautfarben werden besonders hervorgehoben und von sexueller Freiheit sind die Protagonisten noch weit entfernt, auch wenn die Geschichte daherkommt, als würde sie das alles kritisch betrachten. Vielleicht habe ich auch einfach Perrottas Humor nicht verstanden, heißt es doch am Klappentext, es sei ein rasend komischer Roman. Gelacht habe ich nie. Mir kopfschüttelnd an die Stirn gegriffen dagegen öfters.

Sonntag, 3. Mai 2020

Rezension: Die drei Leben der Hannah Arendt // Ken Krimstein



DIE DENKERIN


Meine Meinung
Hannah Arendt war zu ihren Lebzeiten eine streitbare Philosophin und gilt auch heute noch als die Ausnahmedenkerin überhaupt. Der Autor Krimstein hat in dieser Graphic Novel versucht, ihr Leben nachzuzeichnen. 

Die Abbildung Arendts auf dem Cover gibt einen ersten Vorgeschmack auf seinen Zeichenstil, der im Buch jedoch bei weitem nicht so detailliert ist und die Bilder innen sehr grob gezeichnet sind. Die schwarz-weiß Zeichnungen entfalten aber trotzdem eine eigenwillige Wirkung, auch weil Hannah Arendt konsequent mit grüner Kleidung erkennbar ist und somit immer hervorsticht. Grob skizziert wurden nicht nur die Bilder, sondern auch die biografischen Anhaltspunkte aus Arendts Leben, die durch viele Szenen- und Zeitsprünge leider etwas oberflächlich daherkommen und mehr an einen Schnelldurchlauf erinnern.

Samstag, 2. Mai 2020

Rezension: Fantastic Stories for Fearless Girls // Anita Ganeri


WER BRAUCHT SCHON EINEN PRINZEN?


Meine Meinung
Eigentlich müsste das Buch "Fantastic Stories ABOUT Fearless Girls" heißen, denn dieses Buch handelt VON Mädchen und Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und auf keinen Prinzen warten, der sie rettet, und es ist sicher nicht nur für Mädchen, sondern für jede*n etwas Feines zum Lesen (oder vorgelesen zu bekommen).

Tokoyo, Molly Whuppie, Mizilca und Sumac sind u.a. die Heldinnen in diesen Märchen und Sagen. Sie beanspruchen für sich ein selbstbestimmtes und freies Leben und gehen dabei ungewöhnliche Wege, um an ihre Ziele zu kommen. 
Aus der ganzen Welt wurden hier Erzählungen versammelt, die eine schöne kulturelle Diversität abbilden, außerdem sehr magisch angehaucht sind und mit wunderschönen Illustrationen versehen wurden. Die insgesamt 15 Märchen stammen u.a. aus Frankreich, Russland, Japan, Griechenland, China, dem Sudan, Indien, Niger und Finnland, um nur ein paar Länder zu nennen.

Dienstag, 21. April 2020

Rezension: Ein Lied für die Vermissten // Pierre Jarawan


EIN BUCH WIE EIN PUZZLE


Meine Meinung
Jarawans zweiter Streich. 
Nachdem ich nach dem Lesen seines Romandebüts vor vier Jahren ein großer Fan des Schreibstils des Autors wurde, konnte mich Pierre Jarawan mit seinem Nachfolgebuch wieder in seinen Bann ziehen. Wieder geht es um den Libanon, wieder geht es um Geheimnisse, die entschlüsselt gehören, und um Menschen, die plötzlich verschwinden. Aber dieses Buch ist doch anders als der Zedern-Roman. 

Der Hauptcharakter Amin schreibt hier über sein Leben. Er flüchtet als Baby mit seiner Großmutter vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon nach Deutschland, nach mehr als zehn Jahren kehren sie wieder zurück. Hier setzt die Geschichte an. Der Krieg ist vorbei, doch die Menschen und das Land wurden von ihm sehr geprägt. In Rückblenden erzählt der erwachsene Amin über seine Jugendzeit in einem neuen Land, Freundschaft, Familie, Glück sowie Verrat und das auf eine Art und Weise, die ich faszinierend fand.

Sonntag, 5. April 2020

Rezension: DO IT YOURSELF! #Einfach plastikfrei leben // Charlotte Schüler


TSCHÜSS PLASTIK


Meine Meinung
Plastik ist so verpönt wie noch nie. Aus gutem Grund. Denn es verschmutzt unsere Umwelt, die Meere und unsere eigenen Körper. Also besser früher als später damit anfangen, nach Alternativen zu suchen. Charlotte Schüler hat irgendwann bewusst begonnen, ihr ganzes Leben plastikfrei umzukrempeln und gibt in ihrem Buch Tipps und Tricks, welche Plastikprodukte ganz einfach durch andere ersetzt werden können.

Dazu hat sie das Buch in unterschiedliche Bereiche eingeteilt: Bad, Haushalt, Lebensmittel und Unterwegs. Und stellt ganz viele Rezepte (Körperpflege, Putzmittel, Lebensmittel) und DIY-Anleitungen vor. Zusätzlich gibt die Autorin Informationen, die dem Buch einen großen Mehrwert geben, so zum Beispiel: Wie ernte ich meine Aloe Vera? oder Wie ordne ich am besten meinen Kühlschrank?