Samstag, 12. Oktober 2019

Rezension: Gespräche mit Freunden // Sally Rooney


INTERESSANTE LIEBESGESCHICHTE,
ABER AUCH SO VIEL MEHR ALS NUR DAS


Meine Meinung
Mit "Gespräche mit Freunden" hat Sally Rooney ein beachtenswertes Debüt hingelegt. Es geht um Frances und Bobbie, wobei uns Frances sehr analytisch die Geschichte nacherzählt. Die beiden sind Anfang 20 und lernen in Dublin ein zehn Jahre älteres Ehepaar kennen. Diese vier führen Gespräche. Am Klappentext steht: "Persönlich und online reden sie über Sex und Freundschaft, Kunst und Literatur, Politik und Liebe und, natürlich, über sich selbst."

Und genau das bekommt man auch in diesem Roman. Die Handlung an sich ist nicht gerade weltbewegend, aber diese Gespräche stechen hervor. Darauf ist auch der Fokus gerichtet. Mit ihrer einfachen Art zu erzählen, konnte mich Frances wirklich packen, auch wenn ein bisschen ein bitterer Nachgeschmack nach dem Lesen geblieben ist.

Freitag, 4. Oktober 2019

Rezension: Warum so viel Hass? // Leïla Slimani



HASS MUSS IM KEIM ERSTICKT WERDEN


Meine Meinung
In diesem sehr dünnen Band sind sechs verschiedene Essays und Kurzgeschichten der Autorin Leila Slimani versammelt. Diese wurden in einem Zeitraum von 2014 bis 2016 in der französischen Zeitschrift "Le 1" publiziert und drehen sich hauptsächlich um Rassismus, Angst, Hass, das Fremde.

Slimani bringt mit wenigen Zeilen Wesentliches auf den Punkt. Die Texte sind sehr kurz, was mich nicht gestört hat, jedoch sind dann nur sechs davon sehr wenig und bei 53 (zu lesende) Seiten, mit vielen Abständen und großer Schrift blieb ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Ich hätte mir mehr gewünscht, da Slimani wirklich gut schreiben kann.

Dienstag, 1. Oktober 2019

Rezension: Miroloi // Karen Köhler


GEGEN DEN STROM SCHWIMMEN


Meine Meinung
Miroloi, auch Totenlied genannt, erzählt in 128 Strophen das Leben eines Teenager Mädchens, das als Findelkind auf einer Insel mit einem einzigen Dorf aufwächst und außer ihrem Finder und einer Freundin von ihm ist diesem Mädchen niemand wohlgesinnt. Das Inseldorf mutet archaisch an, wird durch ein sehr strenges patriarchales System beherrscht (Frauen haben kaum Rechte) und die Bewohner*innen leben nach einer Religion, die sich wie ein Mischmasch aus unseren Weltreligionen anhört: Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, aber auch griechische Mythologie. Zur Außenwelt hat die Insel kaum Kontakt.

Grundsätzlich sind das Voraussetzungen, die für eine spannende, entwicklungsreiche Geschichte sehr viel Stoff bieten können. Sprachlich ist dieses Buch auch wirklich ein Wahnsinn, nur für den Inhalt muss ich ein paar Abzüge machen. Generell ist dieses Buch aber sehr schwer zu bewerten, da es in keine Schublade passt. (Aber es wird sowieso Zeit das Schubladendenken endlich GANZ aufzugeben.)

Samstag, 28. September 2019

Rezension: Die Hälfte des Himmels - Wie Frauen weltweit für eine bessere Zukunft kämpfen // Nicholas D. Kristof und Sheryl WuDunn


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"Frauen tragen die Hälfte des Himmels" 
- Chinesisches Sprichwort



Meine Meinung
Das hier ist ein Buch, das man von der ersten Seite weg mit wachsendem Entsetzen liest und dieses Entsetzen kann man danach nicht mehr nicht spüren. Man kann das, was man gelesen hat, nicht ungelesen machen. Die Geschichten dieser Frauen machen wütend. Man will etwas für sie tun.
Genau darauf zielt auch diese Reportage in Buchform ab. Es werden viele Beispiele genannt, was man als einzelner Mensch tun kann.

Das Autorenpaar Kristof und WuDunn haben ihr journalistisches Augenmerk auf Menschenrechtsverletzungen gegen Mädchen und Frauen gelegt. Sie schauen dort hin, wo andere wegschauen. In Süd- und Ostasien sowie Afrika passieren die gravierendsten Verbrechen. Die beiden sind dort hingereist und haben Frauen und Mädchen interviewt, die in armen, prekären Verhältnissen leben, und diesen Menschen eine Stimme gegeben, indem sie ihren Geschichten zugehört und diese aufgeschrieben haben.

Mittwoch, 18. September 2019

Rezension: Persepolis // Marjane Satrapi


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EIN IRANISCHES MÄDCHEN


Meine Meinung
Diese Gesamtausgabe Persepolis erzählt autobiographisch die Lebensgeschichte von Marjane Satrapi. Über ihre im Iran verbrachte Kindheit, ihre Jugendjahre in Wien und wie es ihr bei ihrer Rückkehr in den Iran ergangen ist. Und zwar in Bildern. Gleichzeitig ist es eine Geschichte über den Iran. Die Radikalisierung, das Verschleiern der Frauen, die ganzen Vorschriften, Krieg. 

Es ist eine Geschichte über ein Mädchen, das sich in der Welt zurechtfinden will, aber in die vorgegebenen gesellschaftlichen Systeme nicht wirklich hineinzupassen scheint. Persepolis ist eine Graphic Novel - in schwarz-weiß Bildern hat die Autorin ihre Erlebnisse verarbeitet und zwar auf schonungslose und unglaublich ehrliche Art und Weise.

Samstag, 14. September 2019

Rezension: how to be a woman - Wie ich lernte eine Frau zu sein // Caitlin Moran


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EIN FEMINISTISCHER BLICK AUFS EIGENE LEBEN


Meine Meinung
"Man ist nicht als Frau geboren, man wird es" hat schon Simone de Beauvoir festgestellt. In "how to be a woman" beschreibt Caitlin Moran wie sie zu der Frau wurde, die sie jetzt ist. Sie beginnt mit ihren Jugendjahren in den 80ern und erzählt im Laufe des Buches die einschneidendsten Erlebnisse, die mit ihrem Frausein und -werden zu tun hatten.

Das Buch ist eine feministische Autobiographie, die wichtige Themen wie die erste Menstruation, Masturbation, Körperbehaarung, erste Liebe, Sexismus, Ehe, Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch, weibliche Vorbilder und Schönheitschirurgie thematisiert. Moran schreibt über Themen, über die oft geschwiegen wird, die nie ganz so ehrlich erzählt werden, die noch so banal klingen, aber trotzdem wichtige Aspekte des weiblichen Lebens sind und die die Frauen sich aber oft nicht zugestehen, eben weil sie so banal scheinen. Wie Mode zum Beispiel.

Samstag, 7. September 2019

Rezension: Der Mythos Schönheit // Naomi Wolf


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"SCHÖNHEIT" 
ALS GESELLSCHAFTLICHES KONSTRUKT



Meine Meinung
Naomi Wolf sagt, dass nach den ganzen Frauenbewegungen, feministischen Aktionen und der (theoretischen) besseren gesellschaftlichen Gleichstellung seit den 70er Jahren die Frauen für manche Menschen der ("westlichen") Gesellschaft zu stark und zu mächtig geworden sind (heißt: mehr gesetzliche Rechte, mehr körperliche und reproduktive Selbstbestimmung, bessere Bildungs- und Berufschancen). Deswegen musste etwas Neues gefunden werden, mit dem man sie verunsichern, mit dem man sie klein halten kann.
Hier kommt der Mythos Schönheit ins Spiel: Schönheitsideale und -normen.

"Du musst schön sein, um im Beruf Erfolg zu haben und einen Mann zu finden, der dich liebt. Was schön ist, bestimmst aber nicht du."