Mittwoch, 30. September 2020

Rezension: Über Forderungen - Wie feministischer Aktivismus gelingt // Hrsg. von Magdalena Baran-Szoltys und Christian Berger

 

FORDERUNGEN FÜR EINE BESSERE GESELLSCHAFT

Meine Meinung
Vor zwei Jahren habe ich das Frauen*Volksbegehren (F*VB) unterschrieben. Meine Unterschrift war nach der Auszählung eine von 481.959. Ab 100.000 Unterschriften muss das Volksbegehren im Parlament behandelt werden. Bis jetzt wurde noch keine der Forderungen umgesetzt.
 "Um Frauenrechte zu schützen und patriarchale Herrschaft abzubauen, bedarf es gesellschaftlichen Wandels, aber auch rechtlicher Maßnahmen. Dafür braucht es Druck auf den Gesetzgeber." (S. 56)
In Österreich ist das Volksbegehren ein Instrument der demokratischen Grundordnung und eine Möglichkeit für Bürger*innen auf höchster Ebene politischen Einfluss zu nehmen. In diesem Buch geben die Initiator*innen und Mitstreiter*innen sozusagen eine Anleitung dafür, wie erfolgreicher feministischer Aktivismus gelingen kann. Sie geben einen Blick hinter die Kulissen und erzählen von Finanzierung, Netzwerkarbeit, Rechtlichem, Corporate Identity und natürlich von ihren Forderungen. 
 
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Femtembers. 
 

Samstag, 19. September 2020

Rezension: Ruth Bader Ginsburg - 300 Statements der berühmten Supreme-Court-Richterin // Hrsg. von Helena Hunt

 
"Frauen gehören in sämtliche Positionen, in denen Entscheidungen zu fällen sind. (...) Frauen [sollten] keine Ausnahmeerscheinung sein." (RBG,  S. 174)
 

 
Meine Meinung
Als ich das Buch anfing zu lesen, hat sie noch gelebt. Gestern, am 18.9.2020, ist Ruth Bader Ginsburg im Alter von 87 Jahren gestorben. Ginsburg fing 1957 als eine von neun Frauen* Rechtswissenschaften an der Harvard Law School zu studieren an. Auf neun Frauen* kamen 500 männliche Studenten. In ihrer darauffolgenden juristischen Karriere sticht die Amerikanerin durch ihren unermüdlichen Einsatz für Gleichberechtigung, gleiche Rechte für alle, aber vor allem für die Rechte der Frauen* hervor.

In diesem Buch sind 300 Statements dieser beeindruckenden Frau abgedruckt, die sie im Laufe ihres Lebens zu unterschiedlichen Themen abgegeben hat. Im Buch werden sie inhaltlich sortiert und kapitelweise dargestellt. So findet man Aussagen zur Forderung des gleichen Rechts vor dem Gesetz, der Frauenrechtsbewegung, reproduktive Rechte, zu Gesetz und Verfassung, zum Obersten Gerichtshof sowie zu ihrem eigenen Leben. 
 
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Femtembers

Dienstag, 15. September 2020

#femtember 2020: Dystopie und Feminismus - Wie passt das zusammen?



Wie wird sich unsere Gesellschaft irgendwann mal entwickeln? Extrem gedacht: Sehen wir eine Utopie vor uns? Oder doch eher eine Dystopie mit totalitärem Regime und allem? Die drei Autor*innen, deren Bücher ich heute vorstelle, haben sich mit dieser ersten Frage literarisch auseinandergesetzt und sehr düstere Zukunftsvisionen entworfen. Der Fokus der folgenden Geschichten liegt auf den Frauen*, welche Rechte und Freiheiten sie haben oder nicht haben, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen, welche Rolle sie spielen. "Der Report der Magd", "VOX" und "Die Gabe" setzen sich mit feministischen Themen auseinander und geben gleichzeitig eine Warnung, dass nichts, was man als "normal" sieht, auch immer so bleiben muss.

Der Report der Magd und Die Gabe sind Teil der our shared shelf-Liste 

Montag, 29. Juni 2020

Rezension: The Modern Break-Up // Daniel Chidiac

DATING, BEZIEHUNGEN, LIEBE 
 

Meine Meinung
Hier ist der klassische Fall, bei dem Klappentext und eigentlicher Inhalt sehr unterschiedlich sind. Der Klappentext versucht mehr aus dem Buch herauszuholen als wirklich drin ist. (Weiter unten könnt ihr ihn dann lesen.) Im Grunde besteht das Ganze nur aus Dialogen und Monologen, bei denen die Protagonisten über Beziehungen, Trennungen, Dating und Liebe reflektieren. Da sind wirklich ein paar gute Beobachtungen dabei und ich konnte mich auch mit manchem identifizieren bzw. mich in den Situationen wiederfinden, aber für einen Roman war mir das viel zu wenig. Eine richtige Handlung gibt es quasi kaum. Amelias Freund hat sich von ihr getrennt und sie macht danach eine Charakterentwicklung durch.

Vielleicht hätte das doch besser ein richtiger Beziehungsratgeber werden sollen und nicht diese komische Mischung. Was aber ansatzweise verständlich wird, ist die Antwort darauf, warum Liebe bzw. eine Beziehung zu führen heutzutage so kompliziert ist/scheint.

Dienstag, 9. Juni 2020

Rezension: Periode ist politisch // Franka Frei



WIR WOLLEN MENSTRUATIONSBLUT SEHEN

Meine Meinung
Ich blute. Regelmäßig. Alle 26-28 Tage (es variiert) verliere ich etwa eine halbe Tasse Menstruationsblut. Das ist das Natürlichste der Welt und trotzdem ist dieses Thema bei uns und in vielen anderen Ländern ein Tabuthema. Viele Menschen finden es anstößig, wenn man darüber redet, am besten wird einfach vergessen/verdrängt/versteckt, dass die Hälfte der Bevölkerung einen Zyklus mit Periode hat, haben wird oder gehabt hat. 

Irgendwo Blut zu sehen, das aus der Vagina kommt, ist sowieso von den Gesellschaften (glaubt ja nicht, dass das nur irgendwo weit weg so ist) zu dem Super-GAU (größter anzunehmender Unfall) schlechthin geworden - für die*jenige, der* es "passiert", und für die, die es sehen. Passiert setze ich in Anführungszeichen, da das Wort zum Vokabular einer Tabusprache gehört, die die Periode am liebsten aus der Welt schaffen möchte. Franka Frei schreibt in ihrem Buch gegen dieses Tabu an.

Montag, 1. Juni 2020

Rezension: Die Tribute von Panem - Das Lied von Vogel und Schlange // Suzanne Collins


DER PRÄSIDENT VON PANEM


Meine Meinung
Collins hat vermutlich mit der Vorgeschichte der Tribute von Panem-Trilogie DIE Überraschungsveröffentlichung des Jahres hingelegt. (Jedenfalls im Jugendbuchsektor) Ich habe mich sehr gefreut und die Erwartungen waren hoch. Jetzt sitze ich hier, habe das Buch fertig gelesen und versuche in Worte zu fassen, was für eine große Enttäuschung die Geschichte für mich ist. Ja, richtig gelesen: Enttäuschung.

Präsident Snow ist jedem ein Begriff, der die Trilogie gelesen hat. Seine skrupellose, menschenverachtende und manipulative Machtausübung in Panem sorgt für Angst und Schrecken. Doch was hat er alles erlebt, bevor er Präsident wurde? Wie wurde er zu dem Menschen, der er zu Katniss' Lebzeiten ist?  Die ersten Schlüsselereignisse geschehen, als er 18 Jahre alt ist und beim ersten Mentorenprogramm überhaupt als Mentor für die 10. Hungerspiele ausgewählt wird. Von dort nimmt alles seinen Lauf. Coriolanus Snow ist der Hauptcharakter in diesem Buch.

Montag, 25. Mai 2020

Rezension: Unsichtbare Frauen // Caroline Criado-Perez


RIESIGE DATENLÜCKEN

                                                       
Meine Meinung
Beim Autofahren hast du immer wieder Probleme mit schlechtsitzenden Autogurten? Die Schlange vor öffentlichen Toiletten ist viel zu oft ewig lang?  Du übernimmst die meiste unbezahlte Arbeit im Haushalt und/oder mit den Kindern? Die modernen Smartphones sind viel zu groß für deine Hände oder (wenn überhaupt vorhandene) Hosentaschen? Ja?

Wenn du mehrmals mit Ja antwortest, dann gehörst du wahrscheinlich zu der Hälfte der Bevölkerung, bei der gerne mal vergessen wird, dass es sie gibt. Den Frauen*. Schuld an den Problemen bist aber nicht du, schuld sind nicht die Frauen* per se, sondern die Wissenschaft gemacht von Männern für Männer, die "den Mann" als Standard sieht und ihre Studienergebnisse, bei denen die Frauen* oft unterrepräsentiert sind oder auf Geschlechterdifferenzen nicht eingegangen wird, als absolute Wahrheit hinstellt. Caroline Criado-Perez zeigt, wo diese weiblichen Datenlücken gefüllt werden müssen.