Posts mit dem Label Migration werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Migration werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 21. Februar 2024

Rezension: Butterfly - Das Mädchen, das ein Flüchtlingsboot rettete und Olympia-Schwimmerin wurde // Yusra Mardini

 
 
 
 EINFACH SCHWIMMEN



Meine Meinung
Fluchtgeschichten sind immer dramatisch. Es beginnt mit dem Fluchtgrund, der allein reicht schon. Wirklich freiwillig verlassen viele ihre Heimat nicht, denn was sie erwartet ist eine ungewisse Zukunft und unglaubliche Strapazen. Man lässt alles hinter sich, was man kennt. Yusra hat hier ihre Geschichte aufgeschrieben.
Yusra will einfach nur schwimmen. Sie will trainieren, um an den syrischen Nationalmeisterschaften teilzunehmen und sich irgendwann für die Olympischen Spiele qualifizieren. Doch in Syrien bricht der Bürgerkrieg aus und sie muss jeden Tag damit rechnen, von einer Granate getroffen zu werden. Täglich sterben Freund*innen und Bekannte. Sie müssen ständig umziehen, weil das Leben in Damaskus, der Hauptstadt von Syrien, teuer und gefährlich ist. Als es unerträglich wird, beschließen die 17-jährige Yusra und ihre drei Jahre ältere Schwester Sara sich auf die gefährliche Reise nach Europa zu machen. Das ist im Jahr 2015.

Dienstag, 21. April 2020

Rezension: Ein Lied für die Vermissten // Pierre Jarawan


EIN BUCH WIE EIN PUZZLE


Meine Meinung
Jarawans zweiter Streich. 
Nachdem ich nach dem Lesen seines Romandebüts vor vier Jahren ein großer Fan des Schreibstils des Autors wurde, konnte mich Pierre Jarawan mit seinem Nachfolgebuch wieder in seinen Bann ziehen. Wieder geht es um den Libanon, wieder geht es um Geheimnisse, die entschlüsselt gehören, und um Menschen, die plötzlich verschwinden. Aber dieses Buch ist doch anders als der Zedern-Roman. 

Der Hauptcharakter Amin schreibt hier über sein Leben. Er flüchtet als Baby mit seiner Großmutter vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon nach Deutschland, nach mehr als zehn Jahren kehren sie wieder zurück. Hier setzt die Geschichte an. Der Krieg ist vorbei, doch die Menschen und das Land wurden von ihm sehr geprägt. In Rückblenden erzählt der erwachsene Amin über seine Jugendzeit in einem neuen Land, Freundschaft, Familie, Glück sowie Verrat und das auf eine Art und Weise, die ich faszinierend fand.

Freitag, 27. Dezember 2019

Rezension: Handeln statt hoffen // Carola Rackete


ES IST ZEIT ZU HANDELN
 


Meine Meinung
Im Juni 2019 rettete die Kapitänin Carola Rackete mit ihrem Team 53 Menschen auf ihr Schiff, da diese Menschen mit einem Schlauchboot von Libyen kommend das Mittelmeer überqueren wollten und in Seenot geraten sind. Als die Politik und die Behörden keine Lösung für diese Menschen fanden und Rackete durch das Ausharren mit ihren Gästen selbst in eine Notlage auf ihrer SeaWatch3 kam, entschloss sie sich dazu, ohne Erlaubnis in den Hafen von Lampedusa einzufahren. 

Durch diese Aktion erlangte sie durch die Medien eine ungewollte Bekanntheit, nutzt diese jetzt jedoch, um auf Missstände hinzuweisen, die momentan auf unserer Welt herrschen. Sie bringt die Klimakatastrophe, Migrationsbewegungen, Wirtschaftswachstum und globale Ungerechtigkeit zu einem großen Ganzen zusammen, erklärt Zusammenhänge und gibt Lösungsansätze auf politischer Ebene. Gleichzeitig erzählt sie, was damals wirklich auf der SeaWatch3 passiert ist.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Rezension: Die Karte der zerbrochenen Träume // Zeyn Joukhadar


 EINE GESCHICHTE ÜBER VERLUST
 
 
Meine Meinung 
In Syrien herrscht Krieg, sodass Nour und ihrer Familie nichts anderes übrig bleibt, als davor zu flüchten. Das junge Mädchen erzählt hier zwei Geschichten. Einerseits ihre eigene Fluchtgeschichte, die von vielen Entbehrungen, Gewalt, Verlust und Angst gezeichnet ist, andererseits erzählt sie von Rawiya, die vor hunderten Jahren in ein Abenteuer aufbricht und als Heldin zurückkehrt. Beide gehen einen ähnlichen Weg, aber mit unterschiedlichen Intentionen. Diese beiden Geschichten verbinden sich auf einer zusätzlichen Ebene, die man erst mit der Zeit erkennt. Das fand ich sehr schön.

Am Anfang hat mich der Wechsel der Geschichten noch aus dem Lesefluss gebracht, ich konnte mich aber relativ schnell darauf einstellen und habe dann bei beiden Erzählsträngen mitgefiebert. Joukhadar ist es meiner Meinung nach hervorragend gelungen, Nours Fluchtgeschichte authentisch und realitätsnah erfahrbar zu machen.

Donnerstag, 28. November 2019

Rezension: Schamlos // Amina Bile, Sofia Nesrine Srour, Nancy Herz


SOZIALE KONTROLLE


Meine Meinung
Die drei jungen Frauen Amina Bile, Sofia Srour und Nancy Herz sehen sich selbst als Vorreiterinnen in ihrer Sache. Nämlich dem Kampf für ein schamloses und freies Leben für muslimische Mädchen. In ihrem Buch führen sie Gespräche miteinander und brechen damit Tabus auf, die in der muslimisch geprägten Kultur noch weit verbreitet sind. Sie sprechen über Schwimmunterricht, den Hidschab, generell Kleidervorschriften, Doppelleben- und moral, Liebe, den Jungfernhäutchenmythos und vor allem über soziale Kontrolle. 

Das Buch richtet sich an junge Mädchen und Jugendliche, die gerade herausfinden wollen, wer sie sind und wohin sie gehören, und sich zwischen mehreren Kulturen zurechtfinden müssen. Die Aufbereitung des Themas ist für diese Altersgruppe sehr gelungen. In kleine Lesehäppchen aufgeteilt und mit wunderschönen Illustrationen versehen wird "Schamlos" zu einem besonderen Leseerlebnis.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Rezension: Herkunft // Saša Stanišić



 WO KOMMST DU HER?


Meine Meinung
Saša Stanišić hat mit seinem Buch "Herkunft" versucht, eine Antwort auf die Frage "Wo kommst du her?" zu finden. Dass diese Antwort darauf nicht immer einfach ist, hat er damit gezeigt, dass er darüber ein ganzes Buch schreiben konnte.
Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Bosnien, der Jugoslawienkrieg Anfang der 90er Jahre veranlasste die Familie nach Deutschland zu flüchten. Ab da wurde die Frage für ihn kompliziert. Das Buch ist Aufarbeitung der Vergangenheit, Familiengeschichte und (in kleinen Teilen) Biografie zugleich. Vor einer Woche wurde es im Rahmen der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

In kurzen Anekdoten erzählt Stanišić von seinem Leben. Dies macht er stellenweise mit sehr viel Humor, bleibt aber dadurch auch sehr an der Oberfläche und es wirkt sehr sprunghaft. Die einzelnen Geschichten - manche echt, manche Fiktion -  verbinden sich mit der Zeit, auch wenn auf mehreren Ebenen erzählt wird.

Mittwoch, 23. März 2016

Rezension: Am Ende bleiben die Zedern // Pierre Jarawan


»Alle Söhne lieben ihre Väter. Aber ich habe meinen verehrt. Weil er mich mitnahm in die Wunderwelten seiner Geschichten.«
 
Meine Meinung
Am Ende bleiben die Zedern, am Ende bleibt das Gefühl, ein wunderbares Buch gelesen zu haben. Samir ist auf der Suche. Auf der Suche nach seinem Vater, nach der Wahrheit und nach sich selbst. In Sprüngen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart wird die Geschichte einer Familie erzählt, die von vielen Geheimnissen geprägt wurde. Die Vergangenheit muss aufgearbeitet werden, um eine Chance auf eine friedliche Zukunft zu haben. Dies gilt nicht nur für Samir, sondern für alle Menschen und in diesem Buch besonders für die Libanesen. 

Montag, 21. März 2016

Rezension: Schwarze Magnolie. Wie ich aus Nordkorea entkam // Hyeonseo Lee mit David John


EIN BERICHT AUS DER HÖLLE
 



Meine Meinung  

Nordkorea, ein Land über das man generell sehr, sehr wenig erfährt. Umso interessanter ist ein detailreicher Bericht einer ehemaligen Einwohnerin des Landes. Für mich war vieles unbegreiflich, die Unterdrückung, die Menschenrechtsverletzungen, das gegenseitige Ausspionieren. Durch Hyeonseo Lees Beschreibungen des Alltags, der Menschen, der Lebensumstände lernt man jedoch zu verstehen, warum die NordkoreanerInnen so sind wie sie sind, so handeln und so leben wollen und warum bis heute eine Diktatur wie diese fortbestehen kann.


Die Biografie ist durchwegs spannend erzählt. Lee und ihr Co-Autor haben eine schöne Sprache für diese mutige und wichtige Geschichte gefunden, die mich unglaublich gefesselt hat. Lee erzählt aus ihrem Leben und dem Leben ihrer Familie. Es ist ein sehr ehrliches Buch, dass auch einen sehr guten Einblick in die Flüchtlingsthematik gibt. Zwar anderer Kontinent, andere Länder, andere Beweggründe. Ängste, Sorgen und Probleme sind jedoch die gleichen, wie es wahrscheinlich die Flüchtlinge heutzutage durchmachen.