Mittwoch, 17. Mai 2017

Rezension: Sweetbitter // Stephanie Danler


DAS LEBEN IN ALL SEINEN GESCHMACKSRICHTUNGEN


Meine Meinung

Alles, was du dir von dieser Geschichte erwartest, kannst du gleich wieder über Bord werfen. Es ist nämlich ganz anders und das hat für mich auch immer einen besonderen Reiz. Sweetbitter wird aus der Ich-Perspektive von Tess erzählt, wobei ihr Name erst in der zweiten Hälfte des Buches vermehrt auftritt. Davor war sie einfach nur "Ich". Das Bild von ihr konnte so irgendwie nie richtig vervollständigt werden.

Die Figuren an sich blieben alle sehr oberflächlich und blass, teilweise auch sehr unsympathisch. Das ist sehr frustrierend mit der Zeit. Im Restaurant sind auch ziemlich viele Menschen und sich alle zu merken war gar nicht so einfach. Das Restaurant ist der Hauptschauplatz. Ganz selten wird die Handlung an einen anderen Ort verlegt und alles hat mit dem Restaurant zu tun. 

Danler hat selbst einige Jahre als Kellnerin gearbeitet und ihre Erfahrungen hier verarbeitet. Sie macht scharfe Beobachtungen und beschreibt das ganze Treiben im Restaurant aus der Sicht des Personals. Es ist sehr wirr manchmal und einseitig, aber doch auch interessant. Viel dreht sich um Alkohol, Drogen, Sex, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen spielen eine Rolle. Es ist eine Geschichte über das Sich-selbst-finden, übers Erwachsenwerden und auf eigenen Beinen stehen, über Liebe, Anerkennung und Obsessionen. Die Handlung ist Geschmackssache. Es gibt nicht so wirklich eine und doch kommt eine Faszination für das Erzählte auf.

Danlers Schreibstil ist irgendwie speziell. Sie schreibt in kurzen Sätzen, nicht immer spannend, aber doch sehr angenehm zu lesen. Sie hat einen besonderen Blick für das Treiben im Restaurant und das hat sich auf den Schreibstil übertragen. Das Essen, der Wein, die Gäste, die Kollegen und Kolleginnen, alles wird analysiert und auseinandergenommen. 

Fazit

Eine Geschichte, die anders ist, als es der Klappentext vermuten lässt. Danler verarbeitet eigene Erfahrungen im Gastgewerbe und führt ihre Leser hinter die Bars und die vielen Türen eines Restaurants. Sie stellt scharfe Beobachtungen an und zeigt das Leben eines Kellners von allen Lebensseiten. Die Handlung ist nebensächlich, der Schreibstil dem Restaurant angepasst. Ein spezielles Lesevergnügen. 


Infos

  • Autorin: Stephanie Danler fing im Alter von 15 Jahren an, in Restaurants zu arbeiten. Als sie 2006 nach New York kam, um dort kreatives Schreiben zu studieren, begann sie im edlen Union Square Café zu kellnern. Sie verliebte sie sich in die Arbeit, das Essen, die Leute und die Stadt. Inspiriert durch ihre Erfahrungen aus dieser Zeit, schrieb sie ihr Debüt „Sweetbitter“. Stephanie Danler lebt in Brooklyn, New York. Mehr Informationen zur Autorin unter www.stephaniedanler.com (Quelle: http://www.aufbau-verlag.de/index.php/autoren/stephanie-danler-a01 25.5.2017)
  • Seitenanzahl: 416 Seiten
  • Einband: Hardcover
  • Verlag: Aufbau
  • ISBN:  978-3-351-03672-0

Donnerstag, 27. April 2017

Rezension: Ich, Eleanor Oliphant // Gail Honeyman


AUFARBEITUNG DER VERGANGENHEIT



Meine Meinung

Eleanor ist ein Mensch, der für sich bleibt, kaum Freunde hat, entweder bei der Arbeit oder daheim ist. Ihre sozialen Fähigkeiten sind nicht wirklich ausgeprägt und so kommt sie (für den Leser) in die eine oder andere komische Situation, die einfach nur zum Lachen ist, für Eleanor aber nur Unverständnis hervorruft.
Spannung in der Geschichte wird durch ein Geheimnis um Eleanor erzeugt. Ihre Kindheit war sehr, sehr schwierig und sie hat ein Trauma erlebt, das sie nie wirklich verarbeitet hat. Durch eine Begegnung wird sie aus der Lebensstarre ein bisschen herausgeholt und sie versucht, etwas zu verändern. 

Eleanor hat einen schwierigen Charakter, der zwar dadurch begründet ist, dass sie eben eine schwierige Kindheit hatte und kaum Bezugspersonen, denen sie vertrauen konnte und von denen sie lernen konnte, aber trotzdem scheint es, als wäre wirklich alles an ihr vorbeigegangen und sie hätte nichts mitbekommen. 

Der Schreibstil war manchmal sehr detailliert und es hat sich manchmal alles sehr in die Länge gezogen. Die Autorin beschreibt alles sehr genau und beschreibt lieber alles, als dass sie es in die Geschichte miteinbaut. Wobei man Eleanors Charakter und Eigenheiten am besten dadurch kennenlernt, wenn man die geballte Ladung an Informationen auf einmal bekommt. Aber es war trotzdem mühsam, da am Ball zu bleiben und sich durch diese Beschreibungen zu lesen. Nach einer Weile habe ich aber in einen Lesefluss gefunden und es

Die Themen, die oft auch nebenbei auftreten und angesprochen werden, sind oft mit erhobenen Zeigefinger dargestellt. Klar, es ist vielleicht Eleanors Sichtweise, aber mir war das ein bisschen zu aufdringlich und erklärend. Nichtsdestotrotz sind sie schon sehr überlegt und können weitere Denkanstöße geben.

Fazit

Im Großen und Ganzen ein gutes Buch. Für meinen Geschmack zu viele Beschreibungen und Erklärungen und die Handlung zieht sich stellenweise. Jedoch werden wichtige Themen angesprochen und einige Überraschungen warten am Ende des Buches auf einen. Das gewisse Etwas hat jedoch gefehlt.



Klappentext

Wie Eleanor Oliphant die Liebe suchte und sich selbst dabei fand
Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen schönen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Und das macht ihr Leben auf Dauer unerträglich einsam. Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus - und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen.

 

Infos


Mittwoch, 19. April 2017

Rezension: Das Licht und die Geräusche // Jan Schomburg


VOM LIEBEN UND LIEBEN LASSEN



Meine Meinung

Das Licht und die Geräusche. Ein Buch, das anders ist, als erwartet, bei dem der Klappentext und die Inhaltsangabe dem wirklichen Inhalt überhaupt nicht gerecht werden.
Der Autor erzählt sehr sprunghaft einzelne Episoden aus Johannas Leben. Die Sprünge erfolgen unmittelbar hintereinander, ohne eine Einleitung oder Kennzeichnung. Es gibt aber Muster, die man mit der Zeit erkennen kann. 

Die Geschichte ist sehr eigenwillig erzählt. Manche Figuren bleiben sehr blass, manche Handlungsstränge machen im Großen und Ganzen nicht so Sinn, wie man es sich vielleicht erhofft und die in der Inhaltsangabe angesprochenen Themen sind nicht alle so präsent, wie vielleicht erwartet. 

Mich hat vor allem der Schreibstil überzeugt. Johannas Gedanken waren für mich so klar, so nachvollziehbar. Erwachsenwerden ist nicht leicht, mit seinem Körper muss man lernen umzugehen, die Gefühle spielen manchmal verrückt und das Leben macht es einem oft nicht so einfach. Das Buch ist kein typisches Jugendbuch. Es liest sich teilweise wie ein Tagebuch, teilweise aber auch nicht. Und der Blick auf Dinge verändert sich, je länger man sie betrachtet oder über sie nachdenkt, je mehr Zeit vergeht. Mich hat das Ganze in einen Sog gebracht und ich hätte noch lange weiterlesen können. So sehr ich das Ende auch begrüße, bleiben doch zu viele offene Fragen übrig, und so sehr ich es liebe, wenn mein Kopfkino von alleine weitergeht und ich die Geschichte alleine weiterspinnen kann, hat die Geschichte für mich fast zu früh aufgehört.

Fazit

Eigenwillig erzählt, gut geschrieben und schnell gelesen. Kein typischer Jugendroman und dann wieder doch. Sprunghafte Erzählungen mit Tagebuchcharakter und ein unglaublich mitreißender und aufwühlender Schreibstil. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, so eingenommen war ich von der ungewöhnlichen Geschichte!




Klappentext
"Es war natürlich von Anfang an klar, dass es im Grunde eine Schnapsidee ist, nach Island zu fliegen und Boris zu suchen. Island ist zwar nach allem, was ich weiß, ein kleines Land, und alle sind irgendwie miteinander verwandt oder so ähnlich, aber so klein, dass man jemanden, der nicht gefunden werden möchte, innerhalb von wenigen Tagen finden könnte, so klein ist Island natürlich auch nicht."

Infos

  • Autor: Jan Schomburg ist Filmregisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller. Er schrieb und inszenierte u.a. die vielfach preisgekrönten Kinofilme ›Über uns das All‹ (2011) und ›Vergiss mein Ich‹ (2013). Zu dem Film ›Vor der Morgenröte‹ (2016) schrieb er gemeinsam mit Maria Schrader das Drehbuch. ›Das Licht und die Geräusche‹ ist sein erster Roman. (Quelle: https://www.dtv.de/autor/jan-schomburg-20946/ 18.4.2017)
  • Seitenanzahl: 255 Seiten
  • Einband: Hardcover
  • Verlag: dtv
  • ISBN:  978-3-423-28108-9


Donnerstag, 30. März 2017

Rezension: Der Rest der Zeit // Bernadette Németh


WAS BLEIBT?




Meine Meinung

In ihrem Debüt zeichnet Bernadette Németh interessante Lebensgeschichten, die von einer gewissen schicksalhaften Traurigkeit geprägt sind. Es geht um die drei Geschwister Tünde, Melinda und Adam, aus deren Sichten die Geschichte erzählt wird. Tünde setzt sich jedoch als eigentlicher Hauptcharakter durch. Das meiste geschieht rückblickend und die eigentliche Ausgangsituation dient nur als Rahmen am Anfang und am Ende. Mir hat in der Hinsicht ein bisschen was gefehlt, ich wollte immer, dass endlich der Anfang weitererzählt wird. 

Die Autorin arbeitet mit einigen Geheimnissen, die mit der Zeit aufgedeckt werden und Spannung erzeugen sollen. Dies ist ihr nicht immer so gut gelungen und wirkte eher zu gewollt. Der Schreibstil an sich hat mir jedoch sehr gut gefallen, sie hat viele wichtige Themen angesprochen und in die Geschichte verarbeitet. Vor allem durch den Beruf von Tünde, sie ist Ärztin bzw. in der Ausbildung dazu, wird sehr viel vermittelt. Die Themen werden aber (außer die beschissenen Arbeitsbedingungen für junge Ärzte) nur oberflächlich angekratzt.

Die Charaktere sind mir leider nicht ganz so sympathisch geworden. Man bekommt sozusagen einen Schnelldurchlauf der Lebensgeschichten und nicht nur von den drei Hauptpersonen. Schön fand ich, dass keine der Personen einem schwarz-weiß Muster unterlag, sondern alle mit vielen Facetten ausgestattet wurden. Die Figuren verkörpern vieles, konnten mich aber nicht so richtig berühren bzw. kein großes Interesse wecken, so vielseitig sie auch dargestellt wurden. Mir hat die Handlung gefehlt. Die Rückblenden, die sich wie die Gegenwart angefühlt haben, konnten mich doch nicht ganz überzeugen.

Fazit

Ein ansprechendes Debüt mit vielseitigen und gut gezeichneten Figuren und einem wirklich sehr lesenswerten Schreibstil. Die Lebensgeschichten sind von einer gewissen Schwere umhüllt und von einer Traurigkeit eingenommen. Ich konnte deswegen keine langen Passagen am Stück lesen und doch ist es auch eine Geschichte, die dazu aufruft, das Leben zu leben, das man sich wünscht.





Klappentext
Als die Ärztin Tünde plötzlich selbst zur Patientin wird, beginnt sie über die Sinnhaftigkeit ihres Lebensweges nachzudenken. Ihre Geschwister Adam und Melinda eilen, ihr beizustehen, aber auch sie stehen vor Trümmern. Das Zurück gibt es nicht. Aber es gibt die Suche nach Verständnis, nach der Aufschlüsselung jener Kräfte, in deren Spannungsfeld die freie Entscheidung zum Diktat der Erwartungen verkommen ist. Wenn es ihnen gelingt, die Kräfte zu durchschauen, kann der Ausbruch gelingen.

Infos

  • Autorin: geboren 1979 in Wien, zweisprachig aufgewachsen (deutsch und ungarisch), da erster Berufswunsch Schriftstellerin vorerst zu utopisch erschien, Verwirklichung der beiden anderen, Journalistin und Ärztin. (Quelle: http://verlag-wortreich.at/buecher/der-rest-der-zeit/#tab-id-3 21.2.2017)
  • Seitenanzahl: 321 Seiten
  • Einband: Hardcover
  • Verlag: Wortreich
  • ISBN: 978-3-903091-30-6

Mittwoch, 1. März 2017

Rezension: Wir machen uns die Welt // Birgit Hauska, Nina Waibel


... WIE SIE UNS GEFÄLLT


Athena

Meine Meinung

In einer Welt, in der die Menschen scheinbar nur mehr auf ihre Bildschirme starren und sich für nichts anderes zu interessieren scheinen, muss man sie genau dort abholen, um ihnen Neues zeigen zu können. Wir machen uns die Welt ist ein Buch mit Anregungen Jugendlichen die vielfältigen Möglichkeiten der Kunst näher zu bringen. 
Die jüngeren Generationen können sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen und so sind auch die künstlerischen Beiträge in diesem Ratgeber/Sachbuch mit einigen technischen Kunststücken verbunden. 

Das sehe ich ein bisschen kritisch, dass dies Voraussetzung ist, dass man dieses technische Spielzeug besitzt, um künstlerisch überhaupt loslegen zu können. Im Gegensatz dazu finden sich im Buch viele kostenlose Alternativen für spezielle Apps und Programme, mit denen einiges vollbracht werden kann. Der Aufbau des Buches ist wirklich sehr, sehr schön und entspricht dem jugendlichen Auge auf allen Ebenen. Es ist in 6 Kapitel eingeteilt, die sich mit der Welt von Jugendlichen auseinandersetzen. Es geht um die eigenen Sinne, die Fantasie und die Entdeckung der eigenen Identität. Außerdem findet man im Buch nützliches Allgemeinwissen und Interviews mit den Künstlern und Künstlerinnen. Die vorgestellten Kunstprojekte regen zum Ausprobieren und selber machen. Man muss dafür auch raus in die Welt bzw. in die eigene Nachbarschaft und lernt Schritt für Schritt einen anderen Blick auf die Dinge zu legen.

Die Anleitungen im Buch sind sehr verständlich und mit vielen Bildern unterlegt. Generell die Aufbereitung des ganzen Buches hat mir sehr gut gefallen. Auch, dass man oft einen Freund oder eine Freundin braucht um einiges auszuführen und dann gemeinsam an einer Sache arbeitet und trotzdem für sich allein individuelle Ideen einbringen kann. 

Fazit

Viele Anregungen für Jugendliche in kreativer Sicht aktiver auf ihre Umwelt einzuwirken. Die Verbindung mit den für Jugendliche heutzutage so wichtigen Smartphones etc. holt sie dort ab, wo ihre Interessen liegen und zeigt neue Möglichkeiten auf, wie und wo Kunst überall sein kann. Der Guide ist sehr empfehlenswert!





Klappentext
Ein kreativer Guide für Jugendliche. Wir sagen: Kunst ist überall und jeder kann Kunst machen. Kunst ist eine Sprache. Sie spricht in Bildern und löst Gedanken und Gefühle aus, die bei jedem anders sein können. Kunst bietet dir Wege, dich in andere Welten zu träumen und verschiedene Rollen einzunehmen, sie hilft dir dabei, über die Welt nachzudenken und deine Meinung auszudrücken ... und das manchmal auch auf eine Art, die nicht allen passt. Sie ist Flucht, Angriff und Nachdenken über die Dinge zugleich. Dieser Guide bietet dir 25 Ideen, mit denen du selbst aktiv werden kannst, für die du nicht der beste Maler sein musst und auch keinen Marmor brauchst: Smartphone, Tablet, Kamera und nicht zuletzt Augen und Ohren sind deine Instrumente, um die Welt zu entdecken und zu gestalten. Mach Skulpturen aus Wasser, Klangkunst mit der Waschmaschine, Animationen mit Obst, Kraken und Krokodilen. Erstelle Lichtmosnter mit Langzeitbelichtungen und Zeitrafferaufnahmen deines Zimmers in Lichtgeschwindigkeit.

Infos

  • Autorinnen: Birgit Hauska hat an der Deutschen Sporthochschule Köln studiert und sich an vielen Jobs ausprobiert. Von der Briefträgerin bis zur Köchin war alles dabei. Sie ist gern in Bewegung und ein echter Teamplayer. Aktuell arbeitet sie als Kulturvermittlerin und Kuratorin für die SK Stiftung Kultur - die Kulturstiftung der Sparkasse KölnBonn.
    Nina Waibel ist Mutter zweier Kinder und möchte mit ihnen am liebsten die Welt jeden Tag aufs Neue erobern. Schon im Studium war ihr Kunst sehr wichtig und hat sie ihr ganzes Leben begleitet. Sie arbeitet aktuell in der Kunstvermittlung.
    (Quelle: http://www.bloggdeinbuch.de/buch/1224/?ref=fp-showcase-carousel-pos10 21.2.2017)
  • Seitenanzahl: 208 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Verlag: Athena
  • ISBN:  978-3-89896-651-1