Samstag, 15. November 2014

Rezension: Aufstieg und Fall großer Mächte von Tom Rachmann




dtv (Klick!)

 

Klappentext


Witz, Esprit, Traurigkeit, und ein Plädoyer für wahre Freundschaft und wirkliche, großzügige Liebe.

Tooly, Anfang dreißig, ist Buchhändlerin aus Leidenschaft. Ihr Leben gleicht einem Kaleidoskop, das man schüttelt. Bangkok, Brooklyn, Wales, eine Handvoll exzentrischer Menschen, die so was wie ihre Familie sind, und eine rasant sich wandelnde Welt, durch die zu navigieren eine Herausforderung ist.






Bewertung

5/5 Herzen
 



Infos

  • Autor: Tom Rachman, geboren 1974 in London, hat zunächst im kanadischen Toronto Filmwissenschaft studiert und dann an der Columbia Universität in New York einen Master in Journalistik gemacht. Nach seinem Studium begann Tom Rachman für die Associated Press in New York zu arbeiten. Während dieser Zeit bereiste er verschiedene Länder, unter anderem war er längere Zeit in Indien und Sri Lanka. Später arbeitete er dann als Auslandskorrespondent und berichtete aus Italien, Japan, Südkorea, der Türkei und Ägypten. Nach einer beruflichen Wende, hatte Rachmann genügend Zeit sich dem Schreiben seines Debütromans "Die Unperfekten" zu widmen. Tom Rachman lebt in London und Rom. (Quelle: http://www.dtv.de/autoren/tom_rachman_13681.html 3.11.2014)
  • Seitenanzahl: 489 Seiten
  • Widmung: Für meine Schwester Emily
  • Einband: fester Einband
  • Einzelband
  • Verlag: dtv - Deutschert Taschenbuchverlag
  • ISBN: 978-3-423-28035-8
  • Originaltitel: The Rise and Fall of Great Powers
  • Originalverlag: The Dial Press, Random House Publishing Group
  • Übersetzer aus dem Englischen: Bernhard Robben


Meine Meinung


"Bücher", sagte er, "sind wie Pilze. Sieht man nicht hin, vermehren sie sich. Ihre Zahl wächst nach Regeln von Zinseszins: Ein Interesse führt zu nächstes Interesse, und das verbindet sich mit drittes Interesse. Und schwups, hast du nicht gesehen, hat man mehr Interesse als Platz im Schrank."  - S. 407

Ich starte diese Rezension mit einem Zitat aus dem Buch, das glaub ich jedem Büchersammler aus dem Herzen spricht. So auch mir. Diese Zeilen gehören zu meinen Lieblingsstellen im Buch. Und es gibt so einige schöne Stellen, die das Buch für mich so wertvoll machen, dass ich es, ganz untypisch für mich, ein zweites Mal lesen werde! Rachmann versteht es nämlich, mit seinen Worten und seinen detaillierten Beschreibungen, seiner detaillierten Sprache und dem Aufmerksammachen auf kleine Merkmale, eine geheimnisvolle Atmosphäre aufzubauen. Normalerweise finde ich es sehr mühsam, wenn bis aufs Kleinste alles beschrieben wird und normalerweise mag ich es, wenn ich mir selbst Sachen dazu denken kann und mir nicht alles vorgegeben wird, wie etwas aussieht, aber hier hat es mich überhaupt nicht gestört.

Das Buch ist in drei Zeitebenen eingeteilt, mit jeweils zehn Jahren Unterschied. Man lernt Tooly kennen als sie zehn, Anfang 20 und in ihrer Gegenwart, als sie Anfang 30 ist, kennen. In einer nicht nachvollziehbaren Reihenfolge wird zwischen den Zeitebenen gewechselt und man bekommt immer nur kleine, aber auch bedeutende Ausschnitte aus Tooly's Leben präsentiert, die dem Leser zu verstehen geben sollen, wie Tooly tickt und warum sie so ist, wie sie ist. 
Es ist ein bisschen frustrierend, nur mit so kurzen Ausschnitten von Toolys Leben konfrontiert zu werden, ohne viel Erklärungen und mit neuen Charakteren, um dann wieder in eine ander Zeit und andere Ausschnitte und mit neuen Personen zu wechseln. Es hat trotzdem, oder gerade deswegen, seinen Reiz und ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen, damit sich alles zu einem großen Ganzen zusammenfügt. 

"Tooly wünschte sich, sie würde nicht länger existieren, würde ausgelöscht werden, gefangen, wie sie sich in diesem ungeliebten Ramschhaufen eines kleinen Mädchenleibs fühlte, ermattet von der Beständigkeit des eigenen Ichs." - S. 252

Tooly hat einen sehr außergewöhnlichen Charakter, was kein Wunder ist, da sie von Kind auf mit Menschen zusammen war, die nie ein normales Leben in unserem Sinn geführt haben. Tooly mochte ich in der ersten und der letzten Zeitebene am liebsten. Man merkt aber wirklich sehr schön, wie sie sich mit den Jahren entwickelt hat, auch wenn wir als Leser diese Entwicklung nicht miterlebt haben. Auch die Nebencharaktere waren alles andere als langweilig! Nachdem ich schon viele Buchcharaktere kennengelernt habe, waren die Figuren in diesem Buch eine so angenehme Überraschung. Auch wenn ich durch ihre Lebensstile und mit ihren Charaktern vielleicht im richtigen Leben nichts zu tun haben möchte, war es sehr interessant von ihnen zu lesen.

Die Geschichte an sich lebt von den Geheimnissen und den kuriosen Menschen, die Tooly's Leben bestimmen. Die kurzen Abschnitte sorgen für einiges an Verwirrung und nach jedem Abschnitt hat man weitere tausend Fragen im Kopf, bei denen man auf eine Antwort hofft. Die Geschichte ist fröhlich und traurig zugleich. Jede fröhliche Szene hat etwas Trauriges an sich und Rachmann erzählt das mit einer Leichtigkeit, bei der mir als Leser ein drückendes und hilfloses Gefühl zurück geblieben ist. Am Ende finden viele lose Fäden ein Ende. Die Auflösung schleicht sich langsam ein und ließ mich aufgewühlt zurück.

Fazit

Aufstieg und Fall großer Mächte ist ein leises Buch, für das man sich Zeit nehmen muss, damit sich seine großartige Sprachgewalt und Erzählkunst zur Gänze entfalten kann! Interessante Charaktere und wunderschön geschrieben!

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